Achtung... Staubexplosionsgefahr?


Wer in seiner heimischen Holzwerkstatt aus Kunststoffrohren eine Absauganlage bauen will, macht sich natürlich erstmal im Internet schlau. Nach 10 min. lesen ist man dann mit horrorartigen Beschreibungen über Staubexplosionen so überschüttet, dass man das Ganze am liebsten gleich wieder hinschmeißen will.

Aber ruhig Blut werte Heimwerkerfreunde! Ich habe zu dem Thema eine eher gemäßigte Haltung und zeige euch gerne meine offizielle Quelle auf die ich mich beziehe. Sie stammt aus dem woodworker-forum, in dem es ja in Bezug auf Sicherheit und Vorschriften SEHR genau genommen wird.


Staubabsaugung mit PVC_Rohren



Werte Forumsfreunde.

Durch die Anfrage im Forum irgendwie angestossen, habe ich alle moeglichen Quellen aufgesucht um substantielles ueber die Benutzung von Plastikrohren fuer die Staubabsaugung herauszufinden.

Rod Cole schrieb in der Zeitschrift Fine Woodworking Ausgabe Nr. 153 Winter 2001/2002 Seite 48 & 49, einen Artikel ueber dieses Thema.

In diesem Artikel schreibt Dr. Cole, Mathematiker und ernshafter Woodworker folgendes.

Benutzung von PVC Rohren fuer die Staubabsaugung.


Bei der Einrichtung eines Staub/Spaeneabsaugsystems, fuer meine Heimwerkstatt, kam die Frage auf Metallrohre oder PVC. Als Wissentschaftler im Massachusetts Institute of Technologie ( Abkuerzung MIT) stand mir gluecklicherweise die gesamte Bibliothek des Instituts zur Verfuegung. Einige Tueren weiter im gleichen Stockwerk, ist das Buero eines Professors, dessen wissenschaftliche Forschung darin besteht das entstehen von Blitzen(aller Art von elektrischen, statischen Entladungen) in allen Formen zu untersuchen. Ich fand heraus dass es nahezu unmoeglich ist in einer Amateuer/Hobbywerkstatt eine Staubexplosion zu erzeugen.

In comerziellen Systemen kamen Staubwolkenexplosionen vor, andere Phaenomene spielten dabei eine Rolle Die groesse der Systeme ermoeglichen Staubexplosionen, fuer welche in kleinen Hobbysystemen mit 10 cm Rohr ø die Grundlagen fehlen.

Die Enstehung von Funken in 10cmø PVC-Rohren ist unwahrscheinlich.

In meinen Forschungen studierte ich unter anderem, das „Journal of elektrostatics“, welches auf alle Formen der Effekte und des Zusammenspieles elektrischer Enladungen in industriellen/gewerblichen Einrichtungen berichteted. Das Journal veroffentlichte mehrere Artikel ueber die Entstehung von Staubwolkenexplosionen welche durch elektrostatische Funken erzeugt wurden. Die Forscher ermittelten die Umstaende welche notwendig sind um Funken zu erzeugen und Staubexplosionen auszuloesen. Funken koennen durch verschiedene Umstaende entstehen eine davon statische Elektrizitaet. Wie dem auch sei, Funkenentstehung in einem 10cm ø PVC Rohr einer Hobbywerkstatt sind nahezu unmoeglich, wichtiger noch die Enegie fuer die Ausloesung einer Staubexplosion ist zu gering. Ich kann nicht behaupten dies ist unmoeglich, bin mir jedoch sicher dass es nahezu unmoeglich ist. Es ist nicht ueber einen einzigen Fall der Entstehung einer solchen Explosion im Hobbybereich berichtet worden.

Der Unterschied zwischen Metall und PVC-Rohren ist der , Metall ist ein Leiter, PVC ein Isolator. Ein elektrischer Leiter erlaubt Spannungen sich im System frei zu bewegen/entfalten, wenn keine Moeglichkeit besteht diese zu Erden bzw ueber gemeinsamen Nullpunkt abzuleiten, es koennen Funken entstehn energiereich genung um bei Vorhandensein der richtigen Bedingungen eine brennbare Substanz (Staub) zu entzuenden. Deshalb sind verschiedene Vorschriften erlassen worden, dass solche Metallrohrsysteme durchgehend geerdet sein muessen. Nebenbei bemerkt, ein Plastik wie z.B. PVC ist ein sehr schlechter Leiter fuer elektrizitaet. Es ist moeglich statische Entladunge auf der Aussenseite zu erzeugen, im inneren eines PVC Rohres unwahrscheinlich.

Staubabsauganlagen mit 3 PS oder schwaecher, zeigen kaum Gefahren.

Ich habe meine Forschungsergebnisse auf meiner Webseite veroeffentlicht. Rob Witter, ein Vertreter der Firma Oneida Air Systems Inc. welche Staubabsaugungssysteme herstellt und verkauft, teilte mir mit dass er meinen Ergebnissen im Grossen und Ganzem Zustimmt. Seine Firma bemueht sich seit Jahren Missverstaendnisse bezueglich Metall/Plastikrohren aufzuklaeren. Er bemerkte, Plastikrohre werden nie ein Problem in einer Hobbywerkstatt erzeugen. Er wies auf die Bestimmungen der „National Fire Protection Association (NFPA) hin, Anlagen mit einer Luftbewegung von 1500 cubic foot/Minute = 42 m³/Minute oder kleiner unterliegen keinerlei Vorschriften, da in solchen kleinen Anlagen die Entstehung von gefaehrliche Situationen nicht vorhanden sind.

Die wirklichen Gefahrenherde.

In der Hobbywerkstatt musst du nicht so sehr besorgt sein ueber die Enstehung eines Feuers im Rohrsystem, sondern im Staubauffangsack. Feuer kann durch Funken verursacht werden, dadurch dass Metallteile mit Wucht aufeinander geschleudert werden oder dass sich um das Saegeblatt Stoffe ansammeln, durch die Reibung dieses erhitzt/entzuendet werden. Dadurch koennen Schwelbraende am Absauganschluss der Saege oder im Staubfangsack entstehen. Im Holz befindliche Metallteile, wie z. B. Naegel koennen zuendfaehige Funken erzeugen. . Es ist wichtiger jeden Tag nach Arbeitsschluss den Staubsack zu kontrollieren/entleeren als sich Sorgen ueber das Rohrsystem zu machen.

Sinngemaess uebersetzt, die Verwendung von ich in dieser Uebersetzung bezieht sich auf Rod Cole.

Lesenswerter ausfuehrlicher Originalartikel mit Quellenangaben auf http://www.woodcentral.com/cgi-bin/r...cles_221.shtml

Zur gefaelligen Kenntnisname.

Mfg

Ottmar

Durch das Lesen und Uebersetzen des Artikel habe ich mich von einigen falschen Annahmen, Standpunkten usw befreien koennen.


Mehr ist dem wirklich nicht hinzu zu fügen.

Beste Grüße
Frank


Kommentare: 5
  • #5

    Dennis (Mittwoch, 26 Januar 2022 12:14)

    Schön und gut, immerhin haben Sie sich Gedanken gemacht und versucht, Expertenrat zu finden. Das ist schon mal besser als nichts. Nur stehen der Schlussfolgerung einige gewichtige Punkte entgegen:

    1. Der "Experte" ist Mathematiker, und er hat einen Blitzforscher um Rat gefragt. Wie für Mathematiker üblich, führt ihn seine unendliche Hybris und der Irrglaube, man könne die gesamte Natur berechnen bzw. in mathematische Modelle zwingen, zu der Annahme, er könne eine verbindliche Aussage machen. Natürlich ist er auch schlauer als eine Million Anlagenbauer, die seit >50 Jahren ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Absaugungen bestreiten, denn er hat ja eine Bibliothek. Mit Büchern.

    2. Die Aussage "theoretisch vielleicht möglich, aber ich habe noch nie davon gehört" sagt im Grunde schon alles.

    3. Absaugungen mit weniger als 3PS sind unproblematisch, weil es keine BG-Vorschrift gibt. Super, nur entsprechen 3PS gerade einmal 2.2kW, was bei "halbwegs ernst gemeinten Anlagen" auch im Hobbybereich durchaus üblich ist. Mit 1.1kW oder 1.5kW kommt man nicht weit, wenn man tatsächlich eine Absaugung will. Sonst nimmt man lieber nur einen Staubsauger. Anders als der Staubsauger arbeitet die Absaugung mit Volumen. Es zählt nicht der maximale (theoretische) Volumenstrom des Lüfters, sondern der tatsächlich erreichte. Dieser hängt v.a. vom Druckverlust ab, welcher bei kleinen Durchmessern wie 100mm nicht unerheblich ist. Um den zu überwinden, braucht man im Verhältnis mehr Leistung. "Richtige" Absaugungen, die auch ein Vielfaches leisten, haben daher deutlich dickere Rohre, kommen aber häufig mit "nur" 3kW-4kW aus, weil sie effizienter sind.

    4. Wer sagt eigentlich, dass Absaugungen mit weniger als 3PS keine Funken machen? Auf welcher wissenschaftlichen Basis beruht diese Behauptung? Allein die Tatsache, dass die BG wegen Nichtigkeit (kein Betrieb hat solch kleine Anlagen) keine Vorschrift für Gewerbetreibende erlassen hat, ist kein Beweis für die Abwesenheit eines Risikos.

    5. Funken können vor allem an der Aussenseite entstehen. Das ist gut, denn die Luft in einer Holzwerkstatt ist ja generell staubfrei. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

    6. Die Energie eines Funkens reicht nicht für eine Explosion. Dasselbe sagen die Leute auch über Erdgas. Nur ist es eben eine nicht zu leugnende Tatsache, dass pro Jahr ein Dutzend Häuser in die Luft fliegen, weil eine Gasleitung undicht ist und ein Kühlschrank anspringt oder ein Lichtschalter betätigt wird. Siehe z.B. Osnabrück im letzten November.

    7. Staubexplosionen sind selten. Stromunfälle sind auch selten, ich habe im ganzen Leben noch nie einen elektrischen Schlag bekommen. FI-Schalter im Bad sind also sinnlos. Kindersicherungen an Steckdosen sind sinnlos. Da passiert erfahrungsgemäß nie etwas. Ich habe übrigens auch noch nie einen Splitter ins Auge bekommen. Schutzbrillen sind folglich sinnlos.

    Ein Funke in der Absaugung löst im besten Fall einen Brand im Sack aus (worauf mit etwas "Glück" das Haus niederbrennt), und im schlimmsten Fall macht eine Staubexplosion auch die Nachbarhäuser dem Erdboden gleich. Allein die Tatsache, dass das Ereignis eher selten ist, sollte angesichts der Schwere der Konsequenzen nicht dazu verleiten, es wegen 500€ Mehrkosten zu ignorieren oder schön zu reden.

  • #4

    Rene Ranzenbacher (Samstag, 08 Februar 2020 20:30)

    Entschuldige bitte. Ich hab mal mir den Filter angeschaut. Damit wirst du keine Freunde mit den großen Maschinen haben. Leider. Die Leistung ist unzureichend und vor allem der Unterdruck ist viel zu wenig. Denn du benötigst min. 20 m/s Geschwindigkeit im Rohrnetz und bei 625 m3/h beim 100er Rohr hast du nur 18 m/s. Und bitte vergesse Wickelfalzrohre. Auch wenn diese schön billig sind, sind aber für Holzstaub unbrauchbar. Dort fangen sich die ganzen Späne in der Spirale und neigen dann zum Verstopfen. Bitte nimm nur glattrohr. Ist zwar teurer aber dann baust du es nur einmal und hast dann für die nächsten 20 Jahren Ruhe. Wenn du noch fragen hast oder weitere Info benötigst, rufe bitte einfach an, dann können wir uns unterhalten und ich kann dir dann alles erklären. Grüße Rene

  • #3

    Rene Ranzenbacher (Samstag, 08 Februar 2020 20:15)

    Hallo Frank. Ich finde diese Entscheidung ganz toll. Endlich mal jemand der weiter denkt. Ich beschäftige mich mit diesem Thema schon seit über 28 Jahren und habe auch das dafür nötige Material. Wenn Interesse besteht kannst du ja gerne mal auf meiner Homepage stöbern. Dort findest du alles was du benötigst. Die Seite lautet www.holzstaubtechnik.de Grüße aus Kaltenholzhausen Rene Ranzenbacher. P.s. meine Telefonnummer findest du dort auch.

  • #2

    Ralf R. (Samstag, 08 Februar 2020 15:16)

    Hallo Frank!
    Vielen Dank für den Beitrag! Das Absaugsystem in kleineren Werkstätten mit "HT-Rohr" auszuführen wird letzten Endes nur im Versicherungsfall eine Rolle spielen. Da könnte es Probleme geben, auch wenn das "HT-Rohr" nicht wirklich der Grund für den Versicherungsfall sein sollte. Wenn man aber mal die Preise für "Wickelpfalzrohr"
    z.B. DN100 der Meter mit 2,15€ (https://www.der-luftshop.de) anschaut, so liegt der Preis unter dem was HT-Rohr in dem Durchmesser kostet. Ausser, das die Verrohrung von Wickelpfalzrohr etwas aufwendiger ist, spricht eigentlich nichts für die Verwendung von HT-Rohr. Selbst der Anschluss an eine "Potenzialausgleichsschiene" ist kein Hexenwerk.

    Gruß Ralf

  • #1

    GundP (Samstag, 08 Februar 2020 08:07)

    Vielen Dank und weiter so
    Grus geht raus von GundP